31 December 2008

SPEX Albums of the Year

01) HERCULES AND LOVE AFFAIR »Hercules And Love Affair« (DFA / EMI)
Konsens: elegant-überschäumender Discohouse-Pop, fünfmal getragen von Antony Hegartys Jahrhundertstimme

02) TV ON THE RADIO »Dear Science« (4AD / Beggars / Indigo)
Wie man sämtliche Pop-Genres transzendiert, ohne selbst zu Brei zu werden: TV On The Radio führen es zukunftsweisend vor

03) JA, PANIK »The Taste And The Money« (Schoenwetter / Broken Silence)
Faszinierend-vielschichtige Textaneignungen eines Falco-Verehrers, Zitat- und Zeilendiebes. It takes a thief to catch a thief

04) GRACE JONES »Hurricane« (Wall of Sound / PIAS / Indigo)
Comeback #1: Grrrrrrr! I did it again! Und zwar unerbittlich wie ein Tropensturm, sanft wie eine Brise, tief wie ein Bass aus Nassau

05) THE KILLS »Midnight Boom« (Domino / Indigo)
Mit aggressivem Drumcomputersound und zwingenden Gitarrenlicks, die Kippe gently im Mundwinkel, quarzen The Kills die Charts weg

06) THE BUG »London Zoo« (Ninja Tune / RTD)
Auf diesem tighten All-Star-Album versammelt Produzent Kevin Martin alias The Bug die Londoner Dubstep- und Dancehall-Avantgarde um sich

07) PORTISHEAD »Third« (Island / Universal)
Comeback #2: Niemand klingt so existenzialistisch. Portisheads drittes Album ist gleichzeitig ihr allerbestes: Soundentwürfe, die ewig gültig sein werden

08) ROBERT FORSTER »The Evangelist« (tuition / Indigo)
Eklektiker Steven Ellison mag John Coltrane genauso wie 8-Bit-Bleeps und beherrscht den zart flirrender Ambient Track wie auch den gemeinen Dubbeat

09) FLYING LOTUS »Los Angeles« (Warp / RTD)
Eklektiker Steven Ellison mag John Coltrane genauso wie 8-Bit-Bleeps und beherrscht den zart flirrender Ambient Track wie auch den gemeinen Dubbeat

10) HOT CHIP »Made in the Dark« (EMI)
Vom Zitat zum Ich: Die »Band total neuen Typs«, mal Boygroup, mal Nerd-Clique, reiht multifunktional die Disziplinen des Dance aneinander

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11) SANTOGOLD »Santogold« (Lizard King / RTD)
Santi White führt den Pop-Imperativ in 2008 an, mit New Wave, Hiphop, Ska, Dub und Grime – damit lässt sich jeder iPod synchronisieren

12) OASIS »Dig Out Your Soul« (Big Brother / Indigo)
Vorsprung durch Düsseldorf: Noel Gallagher entdeckt Neu! und verordnet seinen Proleten von Oasis die Krautrock-Repetition

13) YO MAJESTY »Futuristically Speaking … Never Be Afraid« (Domino / Indigo)
Party Hardy im Club Action: Die zwei Powerlesben aus Florida zeigen Rap-Machos, wo die Glocken läuten

14) ERYKAH BADU »New Amerykah Part One (4th World War)« (Universal)
Es geht auch ohne Bling! – das beweist Badu mit dieser edgy-reflektierten Reise durch die schwarze Musikgeschichte

15) FLEET FOXES »Fleet Foxes« (Bella Union / Coop / Universal)
Die Zukunft des Post-Animal-Collective-Folk schwelgt im Andenken an die Beach Boys in bizarr-barocken Harmonien

16) WILD BEASTS »Limbo, Panto« (Domino / Indigo)
Eloquenz artikuliert sich in der Extravaganz eines Kopfgesangs – so wird aus fußballbegeistertem Indiepop großes Theater

17) GANG GANG DANCE »Saint Dymphna« (Warp / RTD)
Neo-tribalistischer Folk mit verzerrten Gitarren, metallenen Drones und sektiererischem Gesang, der zur Not auch mal zum Rap greift

18) MARSIMOTO »Zu zweit allein« (Four Music / Sony Music)
Die Bassgrundierung brutzelt, das Helium knallt: Marten Laciny rettet als Schizo-Meister in letzter Minute das deutsche Rapjahr 2008

19) CHAD VANGAALEN »Soft Airplane« (Sub Pop / Cargo)
Mehr eigentümliche Einfälle pro Sekunde als Daniel Düsentrieb, seit dieser den Computerantrieb entdeckte: Canada’s finest in diesem Jahr

20) GUSTAV
»Verlass die Stadt« (Chicks On Speed / Indigo)
Befeuert von Denkern, Architekturzeitschriften und Soziologen, kombiniert Gustav aus Wien ein Patchwork politischer Querbezüge

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21) PALMS »It’s Midnight in Honolulu« (Rare Book Room / Southern)
Ballerina auf dem Cover, circenhafter Gesang einer Leipzigerin, Goth-Romantik: Hier passt nichts, und doch sitzt alles perfekt

22) THE STREETS »Everything is Borrowed« (Warner)
Millionär Skinner macht sich locker und präsentiert sich endlich wieder in Topform: britische Konversation auf höchstem Niveau

23) LYKKE LI »Youth Novels« (LL Recordings / Warner)
Sie war Zögling von Peter Bjorn and John, bewährte sich als Geheimtipp und avanciert dieses Jahr schließlich zum Publikumsliebling

24) KITTY, DAISY & LEWIS
»Kitty, Daisy & Lewis« (Sunday Best / RTD)
Geschwisterliches Genie hoch drei ermöglicht die Modernisierung der Fünfziger – und das ganz ohne Zeitmaschine

25) GET WELL SOON »Rest Now…« (City Slang / Universal)
Pop-Akademie, England, Arcade Fire – who cares? Konstantin Gropper kann von Indiepop bis Stockhausen sowieso alles

26) BON IVER »For Emma, Forever Ago« (4AD / Beggars / Indigo)
Kathartisches Ergebnis eines eremitischen Aufenthalts in den Bergen von Wisconsin, unmittelbarer kann Folk nicht klingen

27) SIMON BOOKISH »Everything / Everything« (Tomlab / Indigo)
Versatzstücke aus Postpunk, Disco und Minimal Music hysterisieren diesen Infokollaps-Soundtrack zu einem Meisterwerk

28) THE COOL KIDS »The Bake Sale« (XL / Beggars / Indigo)
Kinderriegel-Hiphop als leckerer Nachtisch zum Old-School-Pausenbrot – und wann hörten wir zuletzt jugendfreien Rap?

29) MAX TUNDRA »Parallax Error Beheads You« (Domino / Indigo)
Eine Überdosis Chupa Chups, und los geht die Sampler-Sause: Max Tundra schnappt sich uns mit verrücktem Chop-Up-Pop

30) BLAKTRONIKS »Mechanized Soul« (Rubaiyat / Phazzadelic / Groove Attack)
Dieses jazzsynkopierte Hiphop-Techno-Hybrid aus Oakland zieht den Hörer mit kaltem Soul in subaquatische Tiefen

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31) MGMT »Oracular Spectacular« (Red Ink / Columbia / SonyBMG)
Dank Hippie-Chic und psychedelischer Ohrwürmer wie »Time to Pretend« landete dieser schnittige Band-Entwurf im Pop-Olymp

32) 1000 ROBOTA »Du nicht er nicht sie nicht« (Tapete / Indigo)
Blitzdreckiger Designer-Punk aus Hamburg – konzentriert, schnell, mitreißend. Tolles deutschsprachiges Parolengedresche

33) HIGH PLACES »High Places« (Thrill Jockey / RTD)
Eine wundersame Platte, gemacht für moderne afghanische Opiumhöhlen, indische Ashrams und Kiffergelage in Ostberlin-Friedrichshain

34) AMERICAN MUSIC CLUB
»The Golden Age« (Cooking Vinyl / Indigo)
Endlich löst Mark Eitzel das Versprechen ein, das er mit dem öden AMC-Comeback 2004 bislang nur versprochen hatte

35) TERRY LYNN »Kingstonlogic 2.0.« (Phree)

Systemkritik einer Dancehall-Rebellin, die auf versatile Basswissenschaft und nicht auf gängigen Kingston-Klischees setzt

 

36) NINE INCH NAILS »Ghosts I - IV« (The Null Corporation)
38 Downloads aus dem Internet positionieren NIN dort, wo wir seine gespaltene Persönlichkeit schon immer vermuteten: in Schönheit

37) JAMIE LIDELL »Jim« (Warp / RTD)
Lidell geht den Weg vom Techno-Avantgardisten zum formidablen Soulsänger zielstrebig und vereinnahmend – Chapeau!

38) BLITZEN TRAPPER »Furr« (Sub Pop / Cargo)
Das Sextett aus Portland, bestehend aus Traditionalisten – und so veröffentlichten sie mit »Furr« ein modisch-altmodisches Americana-Album

39) BONNIE »PRINCE« BILLY »Lie Down in the Light« (Domino / Indigo)
Der bärtige Folk-Prinz gibt sich dieser Tage fröhlich-beschwingt: das verflixte 14. gelungene Studioalbum in 15 Jahren

40) SÉBASTIEN TELLIER »Sexuality« (Record Makers / Al!ve)
Monsieur Érotique erklärt uns mit narkotischem Elektropop und Daft Punk, warum Froschfresser peut-être die besseren Liebhaber sind

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41) JUANA MOLINA »Un Diá« (Domino / Indigo)
Ein Ex-Comedy-Soapstar knackt eigenwillig lateinamerikanische Traditionals und bereichert sie mit iberischem Gemurmel

42) BORN RUFFIANS »Red, Yellow & Blue« (Warp / RTD)
Klingen wie Animal Collective als Indierock-Ausstattung: Freakfolk und Postpunk amalgamieren zu einem unwiderstehlichen Konglomerat

43) CADENCE WEAPON »Afterparty Babies« (Big Dada / RTD)
Dieser geilste Electro-Hiphop aus kanadischen Eiswüsten kommt durchgefrostet mit funky-phettem Bass-Schlitten

44) NIELS FREVERT »Du kannst mich an der Ecke rauslassen« (Tapete / Indigo)
Willkommen bei Spex! Der Ex-Sänger von Nationalgalerie berührt mit einem kunstsprachlich erstklassigen Album

45) NICK CAVE & THE BAD SEEDS »Dig, Lazarus, Dig!!!« (Mute / EMI)
Comeback #4: Der Grinderman-Effect. Ein Lehrbeispiel dafür, wie sich ein Sänger in der Not neu erfinden kann

46) ALELA DIANE »The Pirate’s Gospel« (Fargo / RTD)
Ihre Newsom’esque Stimme, ein unkorrumpierbares Gespür für Folk und desperate Settings reißen Dianes Tür in Sachen Zukunft weit auf

47) KELLEY POLAR »I Need You to Hold on While the Sky is Falling« (Environ / Indigo)
In Polars schwulem Disco-Entwurf wird sanft gebratscht und feinfühlig Beat-Makramee geflochten

48) NO AGE »Nouns« (Sub Pop / Cargo)
Im Gewächshaus der Noise-Szene von L.A. entstand ein informierter LowFi-Entwurf, der Spacemen 3 und Pavement verinnerlicht

49) THE MAGNETIC FIELDS »Distortion« (Nonesuch / Warner)
Entschiedenes Veto gegen das Sound-Diktat der totalen Kompression: Hier scheppert und deppert es aufs konzeptionell Überzeugendste

50) CARL CRAIG & MORITZ VON OSWALD »ReComposed« (Deutsche Grammophon / Universal)
Ein abenteuerlicher Technoritt durch die klassische Moderne. Sehr überraschend und ziemlich genial

 

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